Klaus Kinski zum 20. Todestag
23.11.2011 | Autor: Katharina Lauck | in: Allgemein, Video
Ein Nachruf ohne Fakten, aber mit viel Gefühl. – So hätte er es gehasst.
Heute, am 23.11.2011, denken wir an einen besonderen Wutbürger, den man nicht mit den lausigen Wutbürgern von heute vergleichen kann – die Journalist Dirk Kurbjuweit, jene unter uns nennt, die sich empören. Die Enttäuschten unter uns. Die, die so einige politische und gesellschaftliche Umstände gar nicht mehr lustig finden. Einige machen sich unter ihrer Guy-Fawkes-Maske Luft, andere bölken auf der Straße ihr Unbehagen aus – Occupy was auch immer.
Aber der Mann, dem wir heute zum 20. Todestag gedenken, brauchte weder eine Maske, noch machte er einen auf „anonymous“. Es wäre ein Verrat an der Wut gewesen. Er brauchte auch kein Kollektiv, das gemeinsam eine Wutblase in die Welt bläst, um sie dann wieder von Obrigkeiten mit einem Stich zerplatzen zu lassen. „Gemeinsam sind wir stark“ deckte er als die größte Lüge einer verzweifelten Wohlstandsgesellschaft auf. Allein forderte er seine Gegner heraus – seine Mitbürger, die Verblendeten, die Interesse heuchelten und für ihn an nackter Dummheit kaum zu überbieten waren. Die, die sich anmaßten, sie hätten irgendwas verstanden von dem, was er machte. Er verbündete sich mit sich selbst und schickte seine scheinbar harmlosen Gegenüber in die Hölle der Sprachlosigkeit. Er spielte den Geistesgestörten in Filmen und inszenierte ihn außerhalb. Er hat die Wut nicht erfunden, aber er hat ihr das wiedergegen, was die törichten Intellektuellen verlernt haben – die Kleingeistigkeit.
Und nur so konnte er sie in tourettartiger, vom Verstand unredigierter Form seinen Mitmenschen, seinen Gegenspielern mit voller Wucht ins Gesicht rotzen, oft ohne sie dabei gelichzeitig anzuschauen. Weil es zu anständig gewesen wäre. Weil der Anstand den Hass wie eine Knarre an der Schläfe zum Tode verurteilt. Er wollte nichts verändern. Er wollte nichts kritisieren. Verbesserungsvorschläge wären nur ein armseliges Eingeständnis gewesen, dumme Leute bekehren zu können. Er war der Wüterich. Der Gefürchtete. Der, der im Drohen die eigentliche Handlung vermutete. Ein Affe, der nur so handelte und nie jemandem in die Fresse gehauen hat und hätte. Ein Männeken, in rotem Pulli, dessen Mund einst immer so trocken war. Ein lächerlicher Kobold. Ein Intellektueller. Ein Kapitulierender. Ein Rebell. Ein Irrer. Ein maßlos Anmaßender. Ein Schauspieler. Ein Künstler. Ein ungezügeltes, respektloses, sensibles und verkanntes sowie erkanntes Genie. Klaus Kinski, gestorben am 23. November 1991.
In diesem Sinne: “Ich bin nicht Euer Superstar. Du dumme Sau”
Klaus Kinskis schönsten Momente:
Klaus Kinski: “Wollen Sie, dass ich Ihnen Antworte oder nicht?”
Wutausbruch am Filmset Fitzcarraldo
Einfach abhauen – das wollte er.
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