Child in Time

Ein Liter Corona baumelt in der Umhängetasche. Ein sommerheißer Winternachmittag wackelt an meinen Hüften. Wieder die Straße hoch, der blendenden Sonne entgegen, nur noch heim, denk ich, mich vor den Rechner hauen, Bier aufmachen und abflacken. Links wieder der Straßenhund der mit dem Schatten wandert, der morgens rechts und nachmittags links der Straße seinem nahen, jetzt schon stinkenden Tod entgegen schnuppert. Die feuchte Tiernase, die Welten, die Gerüche und der ewige Gestank der Verwesung: Das alles steigt durch mich hindurch, durch diesen Moment, und auf einmal wird jede Wahrnehmung abstrakt.

Ich gehe weiter durch die warme Frühlingssonne, durch den milden Mittagswind der hier jeden Tag weht. Ein paar Meter vor mir geht ein Mann, vielleicht fünfzig Jahre alt, sein Schatten berührt mich, aus seinem Unterhemd quellen die dicken aber weichen Muskeln eines Möbelpackers oder Bauarbeiters, eines Mannes, dessen Arme das ganze Leben hindurch schwere, harte, greifbare Arbeit verrichtet haben. Und ich schlänkere hinterher mit meiner Tasche, mit meiner Corona im Schlepptau. Ich sehe und fühle und schnuppere den Nachmittagsblues…

Und als ich ihn vor mir sehe auf dieser blendenden Mittagsstraße, als sein lichter Hinterkopf im Sonnenschein blitzt, die blanke nackte Haut, die Offenbarung, die Energie, all die Haare, die da rausgefallen sind, Fasern die das neue Jahrtausend nicht gesehen haben, die nackte alternde Biologie darunter, und trotzdem geht er noch aufrecht diese Straße entlang, bringt trotz all seiner Jahre den Mut auf, hier gerade und voran zu schreiten – da frage ich mich plötzlich, ob nicht alles noch viel schlimmer werden könnte. Wenn du dann selber mit gebückten Knochen dich vorwärts schleppen wirst eines Tages, wenn die Muskeln wie faule Taschen an dir hängen werden, das ganze Gesicht wird dir wie ein schwerer Ballast am Schädel kleben!, alte, faltige Haut wo doch eben noch die kecke Jugend lockte, die Organe knirschen, die Bewegungen schmerzen, der Blick trübe und nie wieder wirst du klar sehen können in diesem Leben, in diesem deinem einzigen Universum… und dann, verzweifle ich, wird es ja noch viel mehr Gründe geben um Drogen zu nehmen.

Aber wir sind alle nur Kinder in der Zeit.

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ray meinte ja kurzweil sei ein gutes mittel ihn zu ertragen und
“die studieren molbio nicht um veränderungen auswendig zu lernen sondern des aLTEREWLATERETZTOFFOTZENSPLATTERUNGSPROZZESSSESS

500beine sagt:

ich sag nur: ich bin 50, baby. nee. 51.

gaya sagt:

wie recht du hast!

bibbche sagt:

Ja 500 Beine, Du bist aber DIE Ausnahme, die die Regel bestätigt!

mülli sagt:

schöner text