Als mir Frank Spilker die Sonne nahm

Dies ist ein Anliegen in eigener Sache und ich bitte um Mithilfe.

Seit zwei Tagen bin ich hilflos. Ich wurde vom Karren gestoßen und tappe im Dunklen. Ich tappe im Dunklen, weil Frank Spilker mir die Sonne nahm – ja weil die Sterne mich der Sonne beraubten. Doch lasst mich diesen schön-klingenden Unfug erklären.
Mit Liedern ist es wie in der Liebe, wir verlieben uns, werden gesättigt, kriegen zu viel, werden verfolgt, belästigt und dann wird es kritisch. Viele von ihnen machen sich selten, sind aber immer genau dann wieder da, wenn wir sie bitter brauchen und eben dann sprechen wir von Liebe. Großer Liebe, kleiner Liebe, starker Liebe, leichter Liebe…eben all diese Lieben, die es geben kann. Kommen wir dennoch zum Worst-Case-Szenario: dem Todesfall. Wir sind verliebt, wir lieben, doch dann, urplötzlich, stirbt unser Song. In der Zeit von Grooveshark, Spotify und YouTube scheint dies unvorstellbar, doch macht euch gewiss: ein Song kann sterben.

Mein Lied ist gestorben. Vor zwei Tagen.

Ich verliebte mich in ein Lied namens „Sonne“, in einer Zeit als der illegale Download noch Download hieß, als Napster noch zu den Gewinnern zählte und Emule, Kazaa und Co. dem Computer erstmals Sinn und Viren gaben. Nachdem ich knapp eine Stunde auf „Sonne“ wartete, bis der Download schließlich vollzogen war, entdeckte ich zum ersten Mal ‘Die Sterne’. So stand es zumindest da. Eine Liebe begann. Die Sterne und ich durchlebten alles gemeinsam, wir waren Universal Tellerwäscher und dann Big in Berlin. Wir erlebten den ganz normalen Tag, dann erlebten wir die Interessanten. Wir sahen irre Lichter, dass das Weltall viel zu weit ist, aber was wir immer sahen – immer! – war „Sonne“, denn damit hatte unsere Liebe begonnen.
Doch es geschah, was hätte nicht passieren dürfen: mit meinem Windows 98 verschwanden die darauf enthaltenen Lieder, Viren, Saugstuben; und statt all diese Berge an unbeschrifteten, gebrannten CD’s zu durchkämpfen, entsorgte ich sie eiskalt. Immerhin hatte ich das Internet, mit all den unbegrenzten Möglichkeiten… Pah! Als ich feststellte, dass ich „Sonne“ lang nicht mehr gehört hatte, machte ich mich auf die Suche. Dann der Schreck, die Panik, der Schock: kein Ergebnis. Ich durchwühlte jede Discography der Sterne, jedes Forum, jede Fan-Page und stieß letztlich auf einen Mythos. Ein Forum hatte den Songtext gepostet, darüber die Frage nach den Sternen. Keiner wusste die Antwort, jeder spekulierte. Ich konnte es nicht glauben, ich mochte es nicht glauben. Ich war mir sicher und blieb meinen Sternen treu. Die Hoffnung lebte, dass ich eines Tages zu Frank Spilker gehen könnte, um von ihm zu hören, dass „Sonne“ den Sternen gehört und ich meine „Sonne“ wiederhaben dürfte.

Vor zwei Tagen traf ich Frank Spilker.

Es lag es in diesem Fall sicher daran, dass Frank Spilker so unglaublich groß vor mir stand, denn ich fühlte mich zurückversetzt in eine Zeit, in der Groupiesein dazugehörte– anderseits wurde ich aber auch zu diesem kleinen Mädchen aus all den Filmen und Geschichten, ‘das doch nur Angst hatte verlassen zu werden‘, oder so ähnlich. Zitternd stand ich vor vor ihm und haderte mit mir, bis ich mich schließlich traute. „Frank, ich muss dir eine Frage stellen, sie brennt mir seit Jahren auf der Seele. Ich habe Angst vor der Antwort, sie kann alles zerstören, aber bitte sag mir: Habt ihr den Song „Sonne“ gemacht?“ Ein wirrer Blick, ein irres Ich. Dann ein Satz. „Ich habe schon von diesem Mythos gehört, dass wir dieses eine Lied gemacht haben sollen. Aber es tut mir leid, das haben wir nicht“. Dann der Wahn. Ich riet ihm, schnellstens dieses Lied zu finden, denn wenn doch nun jeder davon ausgeht, es sei von den Sternen, dann sollen Die Sterne „Sonne“ verdammt auch nochmal machen! Er lachte. Ich bin mir sicher, er mochte den Plan. Ich verabschiedete mich, mein ‘Danke‘ klang deplatziert und falsch.
Letzte Hoffnung die ‘Ich-errate-den-Song-den-du-mir-singst‘-iPhone-App, von der ich mich als Nicht-iPhone-Besitzer schier begeistert zeigte; sie entpuppte sich ebenfalls als Greifen ins Leere. Alles was nach der verlorenen Hoffnung nun noch übrig bleibt, ist ein Songtext, eine Melodie in meinem Kopf und dieser letzte Versuch, ein Lied zu finden, in das ich mich vor Jahren verliebte.

Ich verbleibe mit dem Songtext, der in Anbetracht dieses Hilferufes nicht passender sein könnte und mit der kleinen Freude, dass mir wenigstens Frank Spilker „Sonne“ nahm.

Anonymous: Sonne

Warum tust du als wärest du nicht du und
warum versteckst du dich und
warum denkst du dass der Zweifel sicher kommt und warum nimmst nicht einfach nur mich

hmm
Viele viele Fragen und keine Antworten dafür
und viele viele Dinge die uns umgeben
ein Fluch liegt auf dieser Welt
im Namen unserer Liebe zum vergehen

Doch so, so muss die Sonne sein
so wie du jetzt zu mir bist
Und ich, ich will die Erde sein
die von deiner Wärme abhängig ist

Und ich fühl mich so wie du dich fühlen musst
ich fühl mich leer und ausgebrannt
und ich denke manchmal ich stehe einfach nur sinnlos rum
und darüber verlier ich manchmal den Verstand

und ich weine und ich schrei ganz laut
ich lad den Tripper dieser Welt auf mich
und der Regen und der Schnee wird fallen
und der Winter legt sich über dich

Und irgendwo da schreit ein Kind
doch irgendwo ist überall
und du du sagst zu mir komm halt dich fest halt dich fest feier

Und so, so muss die Sonne sein so wie du
jetzt zu mir bist
Und ich ich will die Erde sein, die von deiner Wärme abhängig ist

Und irgendwo die Sonne
irgendwo die Sonne
irgendwo scheint die Sonne
für dich hey hey für dich

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Offensichtlich kenne ich das Lied aber doch nicht. Der Text kommt mir jedenfalls völlig unbekannt vor. Gibt es noch mehr von solchen “Sterne” stücken?

Birgit sagt:

Noch jemand, der auf der Suche nach dem Urheber dieses Songs ist und scheitert… Mir geht das genauso, ich hab diesen Song auch noch, und suche schon seit Jahren. Kann doch nicht wahr sein – und das in Zeiten des Internets!

Birgit sagt:

Ich noch mal – ich habe es gefunden, falls es noch Bedarf gibt!

Eine österreichische Band namens “SternStaub” http://www.bands.at/band/song.php?id=6754
Da kann man den Song – sogar augenscheinlich legal? – runterladen.

Aurelia Kanetzky sagt:

Liebe Birgit, ich kanns mit Worten gar nicht formulieren, wieeeeeee dankbar ich dir bin. Es ist unfassbar und wunderschön dieses Lied wieder zu hören!!! Ich glaubs nicht dass du es tatsächlich gefunden hast….Birgit, L’etat C’est Toi!! TOOOOOOOOOOOOLLLLLLL! <3 <3 DANKE!!!!