Trips & Ticks: Ein Nach(t)ruf.

Es ist zum Verzweifeln! Nie ist es einem recht! Immer wieder möchte man meckern, meckern, meckern. Da beschweren wir uns über die GEMA in Sachen YouTube, klagen über das Ende von Grooveshark, um dann haareraufend vor Spotify  zu sitzen und uns inmitten unseres Geizes über den entspanntesten Jingle aller Zeiten zu echauffieren, und dass wir so langsam schon nicht mehr wissen, was wir noch alles hören sollten, könnten, müssten. Datenmassen überrollen uns und der Wald vor lauter Bäumen liegt peu á peu unter der Sound-Lawine begraben.

Erst kürzlich regte mich die Band In Golden Tears dazu an, über die alte Single-Kultur zu nostalgieren und erinnerte mich, dass ich den Repeat-Knopf meines CD-Players schon lang nicht mehr gedrückt hatte. In Golden Tears haben es sich als Newcomer tatsächlich getraut, bisher nur zwei Songs als Singles zu releasen und lassen nach zwei Headliner-Touren noch immer auf ihr Debüt-Album warten. Da möchte man doch glatt schon wieder mit der Meckerei ansetzen, denn der Musik-Magen knurrt und die Gier nach der gewohnten Masse macht sich breit. Was waren wir doch früher genügsam, als wir unsere Maxi-CD freudig in den Spieler manövrierten und unser wertvoller Song tagelang durchdudelte! Man könnte glatt meinen, in jener Zeit stets einen Soundtrack besessen zu haben.

‚Soundtrack’ soll mir hier das Stichwort sein, denn vor ein paar Tagen holte mich der Titelsong zum Film „Drive“ (mit Ryan Gosling) zurück in einen Rausch, den ich schon lang nicht mehr erlebt hatte und der den Mut forderte, der Masse einfach mal den Finger zu zeigen. Da wird gesch***en auf den kollegialen Streit um den nächsten Song , denn „Nightcall“ ist ein einladender Ruf in eine schwärmerische Nacht, die nichts aufhalten oder unterbrechen kann – außer natürlich Spotify-Werbung. Der Wahn ist perfekt, die Sucht am Rande des Exzesses, und im Blut werfen die Endorphine wieder Blasen. Wenn Kavinsky in „Nightcall“ düster verschroben in die Nacht singt, will man nichts mehr, außer ein Comeback der Repeat-Funktion feiern. Heureka! Es gibt sie noch diese Lieder, die uns in den Endlosschleifenbann ziehen und zum Soundtrack einer Nacht werden, an die wir uns ewig erinnern, sofern die ersten Töne ihre Wellen schlagen, um erneut zu einem Trip zu wachsen.

Und wenn wir wirklich ehrlich zu uns selbst sind, entsteht doch gerade in dieser Begrenztheit die überkochende Euphorie, die uns schreien lässt: „Arrrghhh, ich LIEBE diesen Song!!!“ – was mir persönlich weitaus nährender erscheint, als ein Album „wow, richtig cool!!“ zu finden.

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