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Home … Magazin … Attacke Azteka

Camino Frontal

03.07.2012 | Autor: airen | in: Allgemein, Attacke Azteka

Das neue Blog für MexicoToday.

4 Kommentare | Tags:

Attacke Azteka Abgestürzt

05.06.2012 | Autor: airen | in: Allgemein, Attacke Azteka

Himmel: “Morgen, da bin ich wieder, scheiss auf die Sterne, jetzt erstmal vierzehn Stunden Nazisonne. Hehe.”
Radio: “Música romantica – en vivo desde Cuernavaca, México. La temperatura: 31 grados centigrados.”
Flasche: “Ich begehre dich.”
Körper: “Was muss, das muss.” Also…
Rührt euch! Stillgestanden! Front zur Flagge!

***

Das Aufgebot der letzten Gehirnzellen steht geil am Start. Abgefuckte Afterhour, abgefuckte Motherfucker, grauer Sound, schwüle Brise, wie ein Kaiser sitze ich jetzt auf diesem meinem Thron, dem chilligen Chefsessel früh um sechs, und betrachte das absolut kaputte Szenario. Pulle umgefallen, Taste abgebrochen, los Schreibzellen, rührt euch, aufwärts und im Gleichschritt Marsch!

Die Sonne geht auf über der feuchten Hochebene von Cuernavaca, der Dampf aus den Palmenwäldern, unten bauen sie den Tianguis auf, den Wochenmarkt, unter blauen Planen errichten sie jetzt ihre Fleisch- und Obst- und Honigstände und während die Hühner auf die Hinterhöfe der Umgebung kacken schiele ich nochmal auf die Uhr. Doch, es stimmt. Absolute Unzeit. Samstag früh um sechs heisst es eigentlich Kater ausschlafen oder du hast es böse übertrieben.
Gleich wird das alles ein Level höher geschraubt, gleich setzt das Plärren ein, das Feilschen und Werben, gleich kreischen die Hühner in ihrem wildgewordenen Todeskampf, vor den Ständen drängen sich die Mütter und Töchter, und wie auch immer man sich durch das Gewirr windet – man reibt an Titten und Ärschen und der bronzenen Haut der Inkas und Mayas. Notiz an meine Sekreteuse: Werft Asche auf mein Haupt, jetzt erstmal nicht rausgehen. Viel zu gefährlich. Nachher bist du Vater.

Dann steigt die Sonne, dann explodiert dieser Markt, dazwischen die Clowns mit ihren Luftballons, die einbeinigen Bettler, die Tütenverkäuferinnen -”Drei Riesenmülltüten für zehn Pesos”, die zahnlose Hure, die einen Schluck schlechtbezahlten Spermas auf den Gehweg kotzt, die pissenden Straßenhunde, die Pick-Ups mit den Lautsprechern auf dem Dach – “Sie leiden unter Vergesslichkeit, Sie fühlen sich schwach? Sie sehen schlecht, sie furzen pausenlos? Kaufen Sie Fenobiol, das protobiotische Allheilmittel gegen abergläubische Hypochondrie, vollkommen überteuert und garantiert wirkungslos, jetzt in drei modischen Farben”. Mitten im Durcheinander steht ein vernarbter Alter und verkauft Axolotl aus dem Aquarium, gut für die Nieren meint er, vercheckt die Viecher raus auf den Dorfmarkt von Tejalpa, die Hausfrauen schlagen zu.

***

Gleich wird mir die Sonne das Hirn wegsengen, ich kann nicht glauben, dass ich noch immer wach bin, dass ich heute schon wieder in den Tropen aufwache, dass ich am frühen Morgen schwitze, gleich kommt der Sturzregen, eine undurchbrechbare Phalanx der Normalität baut sich auf den vollgemüllten Straßen des Provinzviertels auf, dann bebt es wieder, der Boden zittert, die Palmen wackeln und die Erde tippt dir kurz auf die Schulter, raunt: “Alter, wachwerden. Ich hau dir nämlich gleich die Fresse ein. Renn mal kurz.”
Die ständigen Erdbeben, erst mit der Zeit entwickelt man das Feingefühl für die 4er-Beben, das leichte Schwindelgefühl, das du erst am nächsten Tag nachlesen kannst. Du vibrierst halt mit hier in Mexiko, das ist das halbe Geheimnis. Die 4er spürst du. Ab den 6ern hast du ne gute Story. Währenddessen versuchst du nachts die Schüsse zu überhören und nicht immer auf die Bilder im Lokalteil zu schauen. Tote Köpfe turnen irgendwann ab. Aber jetzt schwirren sie da draußen rum, die Inkas und Rojos und Zetas und die Familie von Michoacán, die Tempelritter und das Sinaloa-Kartell, die bestialischen Bastarde, die Horden von Henkern, die korrupten Dorfbullen, das perverse Klima, die zitternde Erde, die Regenzeit, der Schnulzenterror im Radio, ja, gerade der, ich lass den Kopf in die Hände fallen, oh Gott Mann -fickt mich doch nicht so!
Brrr…
Lass denen ihren Raum, denke ich, und mach die verfickten Jalousien runter, mach dich locker, Alter, komm klar, komm runter Junge, alles okay Mann, chill ne Runde.

Stress mal nicht so.

Ist eh alles vorbei jetzt.

Alles easy.

Okay jetzt?

***

Das Blog ist tot.
Attacke Azteka ist abgestürzt.

***

“Besoffen schreiben, nüchtern gegenlesen.”, verriet Udo Lindenberg einmal das Rezept seines Erfolgs. “Attacke Azteka” beschränkte sich auf das einstufige Verfahren.
Ich frage mich immer wieder, wie Malcolm Lowry diesen ganzen Roman “Unter dem Vulkan” im Suff hatte schreiben können. Ich meine, ich schreibe ja ständig im Suff, nur im Suff und über den Suff schreibe ich, aber für diese zwei, drei Stunden am Tag, in denen ich verhängnisvoll über der Tastatur lehne, während der ganze Rest der Welt auf mich einschlägt – die Frau, die Freunde, die Sachzwänge – und dann das Rumliegen, das Ausharren, die bitteren Stunden der Leere, Kaputtheit, die Aberstunden in denen ich das Geschriebene wieder bereue und der ganze Kack hinterher, ich meine – wie bitteschön kann man heutzutage besoffen noch Literatur machen?

***

Anderthalb Jahre Mexiko habe ich hier mitgeschrieben, aus dieser deutschen Sicht, aus dieser dichten Sicht, und auch aus dieser deutschen Sucht. So war eben Mexiko von hier aus, von mir aus, krasses Land, krasse Zeit, kranker Text. Hätte man besser machen können.
Vielleicht habe ich diese Plattform ja gar nicht genug genutzt, vielleicht hätte ich viel mehr daraus machen können, viel mehr hätte ich versuchen können ans Limit zu gehen, die Schranken zu brechen, neue Styles rauszuhauen. Aber das waren eben diese anderthalb Jahre, hier stehen sie nun. Oft genug fiel mir nichts anderes ein, als mich mit einer Flasche Tequila vor den Bildschirm zu setzen und jeden kranken Gedanken loszuprotokollieren. Je mehr ich mich vollaufen ließ, desto mehr floss die Tinte aufs Papier. Das war das Konzept. Und hinterher paar Wörter kursiv stellen. Zwei wilde Jahre waren das in Mexiko, und ich hätte sie ohne den Musikexpress niemals so detailliert aufgeschrieben.

***

Etwas später lehne ich im Liegestuhl auf dem Balkon, Sohn steht auf einem Plastikstühlchen im Bad und spielt mit dem Wasserhahn, Frau blättert in einer Zeitschrift und ich lese “Der Klang der Familie”. Hat gestern Suhrkamp geschickt. Im Rechner läuft deswegen heute 89er Acid, daneben sind ein paar Seiten bei chefkoch.de auf. Ich habe vorhin nach einem Salatdressing mit Sesamöl gesucht. Heute Abend machen wir Ananas-Shrimp-Auflauf mit Erdnusssauce. Fünf Stockwerke unter uns planschen die Kinder im Pool, und gegenüber, auf der Terrasse des anderen Penthouses, da vögeln die Vögel, Mockingbirds schätz ich, und noch so kleine grüne Piepmatze mit rotem Hals. Im Garten unten schwirren die Kolibris und die Schmetterlinge.

- Und wenn ich dann wieder dran denk, dass erst vor drei Wochen die Bullen hier in der Wohnung standen, der eine mit ner Maschinenpistole, und mich mitnehmen wollten. Aber Bullen kommen und gehen.

Auf jeden Fall bin ich irgendwo angekommen, ich sitz jetzt hier oben, schau mir das alles an, Fakten sind geschaffen, Familie ist gegründet, die Sauferei kriegen wir auch noch irgendwie in den Griff und ansonsten: Natürlich kann geschrieben werden. Ich sag nochmal ganz nüchtern Tschüss, sagt die Line. Kein Blatt vor den Mund. Nur nen Schein vor die Nase.

Machts gut.

30 Kommentare | Tags:

Alexej Alexandrowitsch

28.05.2012 | Autor: airen | in: Allgemein, Attacke Azteka

Vor nem Monat nach Tejalpa gezogen, einem belebten Vorort von Cuernavaca. Am frühen Morgen stehen Sombreromänner neben ihren Frahrradläden am Straßenrand, verkaufen Fruchtsalate, raubkopierte DVDs oder frisch geschlachtetes Huhn. Tejalpa war mal kurz in den Medien, als hier vor einem Jahr der 14-jährige Massenmörder “El Ponchis” geschnappt wurde, der für das Südpazifikkartell ein paar Leuten den Kopf vor laufender Kamera mit einem Taschenmesser abgeschnitten hatte. Eigentlich ist Tejalpa aber gar nicht so schlecht. Tagsüber ein wirres Durcheinander, nachts beeilt man sich lieber ein wenig auf den Weg zum Spätkauf. Manchmal wacht man nachts von den 3er-Salven der AK 47 auf. Am nächsten Tag steht dann alles in der Lokalzeitung, meistens mit Foto. Unser Apartmentkomplex ist deshalb mit Stacheldraht abgesichert und ein Vigilante bewacht alle Ein- und Ausgänge. Ich sitze jetzt oben im 5. Stock und schaue morgens bei der ersten Zigarette über das Valle de Cuernavaca, dieses palmenbewachsene Tal im Herzen von Morelos, über dem in den Morgenstunden der Nebel noch wie Watte liegt.

Ganz schnell lernte ich August kennen. Ein 50-jähriger Schweizer, der um die Ecke ein kleines Restaurant aufgemacht hat. Seit 15 Jahren war August nicht mehr in Europa. Seitdem schleppt er seine mexikanische Frau durch die Staaten und Mexiko, jetzt haben sie hier nebenan ein Restaurant aufgemacht. August war früher Zugführer in der Schweiz, jetzt fährt er komische Theorien und hofft mit seinem Fastfoodladen auf den großen Durchbruch. Wird nichts, sieht man sofort. Zwischen unzähligen Zügen an seinen “Delicados”-Kippen erklärt mir August immer sein großes Konzept, spricht von seiner Bude wie von einem Multimilliardendollar-Konzern. Produkt, Nische, Stakeholder-Value, da werden gleich die großen Begriffe angelegt. August glaubt auch an 9/11 Verschwörung, Gleichschaltung der Medien und jüdische Intrigen. Als er letztens anfing, mir von “lebendigem” und “totem” Wasser zu erzählen, zerbrach irgendwas in mir. Seitdem gehe ich ihm eigentlich meistens aus dem Weg. Netter Typ und so, aber man fängt mit sonem in Tejalpa festgefahrenen Dogmatiker einfach keine Grundsatzdiskussionen mehr an.

***

Vor paar Wochen, Nacht, Regenzeit, schlierige Reflektionen im Asphalt. Auf der Suche nach Koks, gerade umgezogen, neue Connection checken. Ich hatte eine lange Runde um und durch all die dunklen Ecken und Bordells meines neuen Viertels gemacht, als auf einmal dieser blonde Typ an der Straßenecke steht. Blond, blaue Augen. Hier in Tejalpa. Sieht man nicht alle Tage, nein, man ist als Weißer im besten Fall ein Außerirdischer hier in Morelos, im schlechtesten ein Aussätziger. Hau den also auf Koks an und der meint gleich so, klar, können wir klären. Ich schau mir den nochmal von nahem an, junger Typ Ende zwanzig, wirklich hellblonder Mittelscheitel, und gehe mit ihm mit. Er ruft ein Kokstaxi.
Fünf Minuten später hält ein Wagen am Straßenrand, der Blonde spricht kurz mit dem Beifahrer, kommt dann zu mir zurück.

Wir gehen in seine Wohnung. Eine düstere Nebenstraße, ein versteckter Eingang, ein enger Hinterhof über den unzählige Wäscheleinen gespannt sind. Es riecht nach Waschpulver und Hundefutter. Der Blonde schließt eine Tür auf, die vollgesprenkelt ist von Betonspritzern und Flerdermausscheiße. Dahinter ein dunkles, fensterloses Kabuff. Der Blonde zieht an einem Faden, der von einer ungefassten Glühbirne herunter hängt. Das Licht geht an, ein karges Zimmer, der Geruch von ungeduschtem Mann, blau bemalte Wände. Auf der Matratze in der Ecke liegt ein Buch, der Titel ist in kyrillischer Schrift geschrieben.
Ich haue das Koks auf den Tisch und mache vier Lines. Der Blonde haut die erste weg. Ich die nächste.

“Alter, du bist doch nicht von hier.”, fährt es schließlich aus mir.
“Nee, ich bin Ukrainer.”, erklärt der Blonde. “Als ich neun Jahre alt war, hat meine Mutter einen Mexikaner kennen gelernt. Dann sind wir hierher gezogen.”
“Story, Alter.”
Der Blonde antwortet was auf russisch.
“Wie heißt du denn?”, frage ich ihn.
“Alexej Alexandrowitsch.”

Er wühlt in einem Haufen von Klamotten. Schließlich bringt er einen mexikanischen Ausweis zum Vorschein. Alexej Alexandrowitsch. Spricht perfektes Spanisch. Wohnt hier um die Ecke. Well you know, sometimes the truth may come in strange disguises. Wir reden dann noch in diesem dunklen Zimmer, er ist genau so alt wie ich, seine Frau hat ihn gerade verlassen, direkt nach der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter. Alexej hat schon wieder ne neue am Start. Scheisst auf die Alte, sagt er. Russen halt. Tejalpa halt. Rockt.

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Licht

17.05.2012 | Autor: airen | in: Allgemein, Attacke Azteka

Ich erinnere mich noch an diesen einen Frühlingstag irgendwann Mitte der 90er. Ich war gerade 15 Jahre alt. An diesem Nachmittag lag ich in meinem Kinderzimmer im Dachgeschoss, blickte durch die Holzvertäfelung der schrägen Decke und hörte Musik. Meine Eltern waren über das Wochenende verreist und ich lag also da in meinem Bett und hörte das erste Album der Band “Yes”. Irgendwann während des ersten Songs ergriff mich eine ungekannte Euphorie, eine kindliche Freude, ein unsagbarer Tatendrang und eine nie dagewesene Klarheit. Der Frühling, die Musik und meine Jugend verschmolzen auf einmal zu einer kitzelnden Intensität der Wahrnehmung. Ich lief die Treppen hinunter, packte mir mein Fahrrad und fuhr los, immer noch den Song im Ohr. Wir wohnten damals direkt an einem Wald und ich fuhr mit einem verklärten Lächeln durch all die Schleichwege, die ich bei den täglichen Spaziergängen mit meinem Hund erkundet hatte. Blumen und Blüten sprossen mir entgegen. In der Natur wurde die Euphorie nur noch stärker, steigerte sich bis zu dieser spontanen Eingebung vom Weg abzubiegen und mich durch das Dickicht zu schlagen. Nach ein paar Metern Gestrüpp öffnete sich eine weite Wiese voll blühender Maiglöckchen, eine glitzernde Weide, durch die kein Weg führte und die wohl seit Jahren niemand betreten hatte.

Die Natur, mein Universum verschmolz in diesem Augenblick zu einem einzigen Moment der Glückseligkeit. Wie das alles blühte und roch und schön aussah! Ich überquerte die Wiese und entdeckte einen kleinen Bachlauf, klares Wasser floss dort über die Steine, der Frühling lächelte und ich wusste, dass ich in meinem Leben noch nie so intensiv gefühlt, noch nie so klar gedacht, und noch nie so viel Freude empfunden hatte.

Vier Jahre später nahm ich meinen ersten LSD-Trip und stellte fest, dass diese “Yes”-getriggerte Erfahrung sich genauso anfühlte wie dieser kleine Fetzen Papier. Es war die gleiche Unschuld, die selbe Intensität einer absolut klaren Wahrnehmung, die vollkommene Erfüllung des Körpers mit der reinsten Droge der Welt, Liebe.

***

Knappe zehn Jahre später lag ich vollsediert neben meinem Mitbewohner in einer Berliner WG, wir hatten Pink Floyd aufgedreht, wie immer, und uns ins vergetale Stadium zurückgekifft. Ebenfalls wie immer. Dann kam dieser Song, “Learning to fly”. Und eine Erinnerung kam aus meinem Unterbewusstsein, ich war damals mit meinen Eltern beim Eislaufen – 1987, als der Song rauskam, war ich gerade sechs Jahre alt – ich erinnerte mich an meinen roten Schal und an die Welt, wie sie damals war, Ende der 80er, was ich mir damals für mich und meine Zukunft ausgemalt hatte und wie ich nun ziemlich hoffnungslos in dieser Techno- und Kiffer-WG an der Schönhauser Allee saß, ein mittleres Suchtproblem am Arsch, wie wir damals Plätzchen gebacken hatten in der Weihnachtszeit und wie da anscheinend eines Abends dieser Song aus der Lautsprechern einer Eispiste gelaufen sein muss und schon wurde ich von den Gefühlen überwältigt. Eine Klarheit und Hoffnung kam da in mir auf, eine dermaßen lebensbejahende Kraft, und ich rappelte mich auf, voll entschlossen endlich diese gedankenmordende Sucht aufzugeben und schlug vor:

“Ey Greg, lass uns alles Gras zusammenhauen und einen Megajoint draus bauen. Danach kiffen wir nie wieder.” Greg war dabei, wie sollte er nicht angesteckt werden von meinem Silberblick und den klaren und freundlichen Worten und all der inneren Freude, die ich ausstrahlte.

Ich haute “Learning to fly” in Gregs Anlage und baute einen Joint aus sechs Longpapern. Wir ließen den Joint kreisen. Damals waren wir wirklich große Eimer- und Bong-Shots gewöhnt, aber das Ding drückte uns übelst in die Sessel und am Ende hatten wir den Goffel weg und sahen uns an und noch immer flog dieser erleuchtete Sound über uns hinweg. Wir haben danach zwei Wochen lang kein Gras angerührt. Das war damals eine lange Zeitspanne für unsere Verhältnisse, aber zumindest bei mir hatte dieser Song eine Ahnug von etwas großem, von einer zeitübergreifenden Wahrheit geweckt, davon, dass es Wahrheiten gibt, die wahr sind wenn du jung und jugendlich und alt bist und dass es da ein Ziel am Horizont gab, einen Stern am und dass mein Weg zu ihm der einzige Sinn in meinem Leben seien sollte.

***

Heute ließ mich die Musik ein drittes Mal auf Wasser laufen.
1969 war Deep Purple auf dem Sprung, eine der besten Bands aller Zeiten zu werden. Gerade hatten sie ihren Sänger durch Ian Gillan ersetzt, das erste Konzert sollte in der Londoner Royal Albert Hall stattfinden. Ihr Organist hatte ein Konzert für Band und Orchester geschrieben, mit dem Royal Philarmonic Orchester sollte es uraufgeführt werden.
Nach dem ersten Satz ging Ian Gillan ans Mikrophon und begann zu singen, zuerst noch ein wenig schüchtern, aber dann gewann er mit jedem Takt an Sicherheit, seine Stimme wurde klarer und kraftvoller und nach wenigen Momenten hatte er eine unaussprechliche Präsenz, eine Reinheit… Die markerschütternde Dynamik von Gillans Stimme, das intuitive Timing, die Intensität… und schon fliege ich.

Manche Menschen haben ihre göttlichen Momente. Glasklare Momente, in denen sie aufflammen und ihr inneres Licht nach außen strahlt, für jeden sichtbar, für jeden fühlbar. Jeder der dabei ist, wird von diesem Schein gefangen. So war es bei Jesus, so war es bei Gautama Siddharta, so war es bei der ersten Lesung von “The Howl” und so ist es auch hier, bei Ian Gillans erstem Auftritt mit Deep Purple.

Ein Gefühl, wie aus dem türkisblauen Meer zu steigen und die ersten Schritte auf dem warmen Sand zu tun.

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Linkes Auge hinkt: Prolog

11.05.2012 | Autor: airen | in: Allgemein, Attacke Azteka

Buch des Bloggers Steinbart in Zusammenarbeit mit der Grafikerin Ramona Heiligensetzer. Geschaffen aber nicht veröffentlicht. Produziert aber nicht gesigned. Es gibt ein paar Exemplare.

Das Vorwort.

„Wenn ich nur Trommelwirbel schreiben könnte.“ – Steinbart

Ist Steinbart Techno? Er ist vielleicht nicht genau Techno, aber er ist Aphex Twin. Er ist elektronisch, schnell und verkopft, er ist ultrakühl und postmodern mit weiten Gefühlsflächen dazwischen.
Ist Steinbart Expressionismus? Er ist nicht gerade das, aber er ist Dalí. Er findet in jeder Realität das Irreale, er heilt uns von der Gewöhnung an den Irrsinn, indem er das Abstruse sichtbar macht.

Dalí, Aphex Twin, auf jeden Fall ganz viel Psychedelika. Seine Bilder sind schön und überbunt auf den ersten Blick, beim zweiten explodiert ihr Sinn und drückt sich über den Hals Richtung Magen.
Die Figuren die er beschreibt, die ganze Welt die er sieht: Alles Aliens. Es scheint, Steinbart sei der letzte vernünftige Mensch auf dieser Erde. Denn er ist kein Außerirdischer. Die Welt ist einer.

Eine intensive Langsamkeit, eine überwache Klarheit, die den Autor krank macht, ganz klar, und nach der man sich beim Lesen sofort sehnt, für einen Augenblick. Dann wird ein Verzerrer aufgedreht und alles wird nur noch kaputter, Augen werden ausgekratzt, Wunden klaffen, Blut fließt, Steinbart sinkt auf die Knie und weint und verzweifelt und fleht den Himmel an, aber der ist wolkenverhangen und antwortet nicht. Steinbart wartet auf den Mond, schreibt dann. Es ist die Heimeligkeit, mit der man aus einem Rattenloch auf die Postapokalypse blickt. Verzweiflung ob des Irrsinns, der nun also wirklich unsere Realität ist. Die Wahrnehmung ist auf superfein eingestellt und jedes Wispern ein lauter Schrei.
Es wird nie kryptisch, nein, der Empfängliche versteht diesen Text sofort und spürt ihn dort, wo er noch gar nicht wusste, dass da etwas ist. Er macht dem Leser also den Weg frei zu Orten, die schon immer dort waren, ein Entdecker also? – Nein, denn es war ja alles schon immer da, genau so ist es ja wirklich. Eine Droge also, so stark, wie man es von Literatur noch gar nicht gewohnt ist, ja, es flasht, es haut einen Zeile für Zeile von den Füßen.

Steinbart schwitzt, zittert, blutet, hyperventiliert und scheidet dabei textliche Diamanten aus. Er legt den Finger in die Wunde und entzündet sie bis sie eitert.

Man kann dieses Buch nicht durchlesen. Diese Texte sind Mantras und Meditationen, sie haben eine Intensität, mit der Gehirne nur für zwei, drei mentale Explosionen Schritt halten können. Dann lehnt man sich zurück und sieht mit anderen Augen auf diese Stadt.

Die Stadt, immer wieder die Stadt. Seine Welt ist das graue, kühle Berlin, die schreiende Melancholie der Postmoderne. In ihren guten Momenten hat die Musik das schonmal gekonnt. Doch, Steinbart ist Techno.


Steinbarts Blog

Steinbarts Buch

postamt(at)linkes-auge-hinkt.de

4 Kommentare | Tags:

Die Blaue Stunde

07.05.2012 | Autor: airen | in: Allgemein, Attacke Azteka

Afterhour. Die längste Stunde des Feiertags. Wir sind alle Brüder geworden heute Nacht, und in jedem steckt noch ein kleiner Splitter Musik. Er glänzt in unseren Augen, schiebt in unserem Nacken, klopft im Kiefer und knallt im Herzen. Mit feinen Fäden zuckt der Beat an unseren Gliedern, lässt nicht los, seit er uns eingefangen hat gestern Nacht, und mit zarten Zungenschlägen liebkosen die Bässe im fahlen Tageslicht unsere Eingeweide. Wir sind hängen geblieben.

Wir sind wach, wir können noch, wir machen weiter. We´re going down to: LaLaLand. And it´s something ´bout those little pills, das uns nochmal Kraft gibt, an einem dieser Morgende aus Kristall. Wenn andere sich erschöpft dem anbrechenden Tag ergeben, wenn sie dem Anstand eine letzte Gefälligkeit erweisen und geschwächt und gebrandmarkt zu ihren Betten kriechen, wenn aber auch schweigend und klar die Stadt erwacht und Luft in den Haaren blonder Kinder spielt, dann eröffnet sich dem Feierschwein ein letztes, ein verbotenes Reich: Das verschmutzte Tor in die Afterhour- Galaxie, die endgültige Ausfahrt in den Absturz.

„Jetzt – gehts – los!“. Ein Verpeilter zieht ruckartig einen Schein aus der Nase und kommt erst mal gar nicht auf den Sound klar. Sowas von geil. Der Verpeilte ist noch im Club, dem Verpeilten kanns gar nicht wild genug zugehen, der Verpeilte hat noch von Allem was da, der Verpeilte ist immernoch allerfeinste Sahne am Abfeiern, Alter. Er ist vielleicht gerade erst gekommen oder er hat sich wirklich die Nacht brutal konsequent eingeteilt, jedenfalls hat er gerade allerhärtesten Spaß und sein Hirn schon ein paar Spülgänge hinter sich. Der Verpeilte labert, der Verpeilte lernt Leute kennen, der Verpeilte schmeisst Bongs um, der Verpeilte nervt die Nichtverpeilten. Und wenn der Verpeilte den Sound lauter macht, geht die Afterhour in ihre nächste Runde.

Denn der Sound wippt und alle wippen mit. Ein ganz eigener Film rollt an und dreht den Tag zu einem fliegenden Seidentuch im Wind. Nachtgestalten schweben auf Sonnenbrillenflügeln aus Clubs und in Clubs, in Vorgärten und Hinterhöfe, unter Röcke, in Kabinen, an Seen und in vor Clubs geparkte Autos. Die Außenwelt darf noch auf gar keinen Fall reinkommen. Nur der Beat und einmal künstliche Energie, bitte, große Brillen und die Sonne ist nur Deko. Noch eine? – Logen. Wer jetzt noch trockene Haare hat, hat geschummelt. Der Sound kommt aus dem Radio, von einer coolen Station. Wir drehen am Regler und hören: Dance, dance, dance. Noch immer thront der Beat frech im Hypothalamus. Welten und Leben sind seit dem letzten Aufstehen vergangen.
Irgendwo klingelt ein Handy

Fleckige Küchen, hastig überfüllte Balkons, die nun im leisen Radiosound in der Sonne stehen, verranzte Sofas in vermüllten, hellen Wohnungen, Afterhourclubs. Das sind die Orte des Morgens. Afterhourclubs. Wo alle nur noch wegen einem da sind, wegen einem auf den Toiletten sind, wo irgendein verrücktes Gesetz erlaubt, dass hier am hellichten Tag noch immer Nacht gespielt werden darf. Dass man die feinen Plastikhaare auf den Boxen sehen kann. Dass sich auch bei Tag keiner zu schämen scheint für diesen Clublifestyle, dafür, noch immer wach zu sein und wahllos mit Fremden zu saufen. Aber Rave ist das Gefühl des ewigen Anfangs.

Diesen Anfang ohne Ende hat in Deutschland kein Club so zelebriert wie die Bar 25. Berlin´s finest Abschaum, mittags um zwei rotzfrech immer noch weitermachend, in einer Holzwelt am Mississippi irgendwo zwischen Pippi Langstrumpf und Tom Sawyer. Das Level, auf dem die Party dort startete, war schwindelerregend. Die Energie des Berghains, des Watergates, des Weekends und der Arena wurde in den schattigen Fängen eines verkommenen Western-Saloons an der Spree konzentriert. Jeder wusste, dass man in Berlin hier an einem Sonntag im Sommer immer sicher war. Und mit den durchgerocktesten DJs des Wochenendes ging es dann weiter nach oben. Am Morgen lag man an der Spree, am Ende einer fast abgeschlossenen Reise ins Herzen des Nachtbeats, und auf den Ausflugsdampfern standen Familien und zeigten auf einen. Zu Recht trieb man da Berlin wieder auf die Spitze und ließ sich noch ein bisschen weiter gehen. Die Gesetzlosigkeit wurde zur Regel erkoren, der Spirit des Studio 54 wurde vom Bass erstmals ans Tageslicht gepusht, und jetzt, da es nach fast so vielen Jahren wie Abschiedsparties wirklich vorbei ist mit der Bar 25, kann man auch sagen, dass sicher ist, dass sich hier die heftigsten Exzesse nördlich der Balearen seit Woodstock abgespielt haben.

Der Spirit lebt natürlich on und wenn am Ende der Party noch so viel Energie übrig ist, kann man auch heute einfach weiter machen. Die Menschen, als sie das erst mal begriffen, nannten es: “Afterhour”. Die blaue Stunde. Wer es bis hierher geschafft hat, erntet würdig die Früchte der Nacht, zeigt volle dedication und darf nochmal das Balla-Balla-Spiel spielen: Feier-Schweiss, Stress-Schweiss, Chill-Schweiss, Kotz-Schweiss, letzte Runde. Hektisch aufkeimende Sexualität. Fickschweiss. Letzte Versuche und erste Erfolge, das harte Werk des Clubgangs ist getan, die Aufgaben der Nacht sind erledigt, jetzt kann man ganz ohne Stress von diesem oder jenem kosten und merkt dann plötzlich, dass die Tanzschönheit ohne Discolight und mit Fältchen noch viel besser aussieht. Und denkt dann doch nur: Smack my bitch up. Oder passender: „Natürlich muss gekifft werden! Draufdisco! High life!“

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3R

26.04.2012 | Autor: airen | in: Allgemein, Attacke Azteka

21:30
Wenn der verdammte Hund nicht gleich aufhört zu bellen, werde ich rausgehen und ihn töten, ihn töten müssen. Es soll ein besonderer Abend werden, ein Rendevous mit der induzierten Inspiration, induziert durch: Rotwein, Ritalin, Rachmaninov. Das 3. Klavierkonzert läuft, die Oberfläche des Carménère steht bei der Hälfte und flackert im Kerzenlicht wie ein stiller Bergsee bei Vollmond, Plätschern am Ufer, kräuseln an den Kieselsteinen. Drei Ritalins im Magen, drei auf Jürgen Fausers “Rohstoff” bereits feingehackt und zu zwei Linien zusammengeschoben, und ja, es stehen Kerzen im ganzen Zimmer, tropfen sich durch die einsetzende Nacht, und natürlich stehen sie alle auf und zwischen Büchern, Notizblöcken und Tischdecken, vielleicht fällt ja doch noch eine um und vielleicht gewinnt dieses Gefasel dann plötzlich doch noch einen Wert, dies: Meine letzten Zeilen, mit letzter Tinte, haha… Ich merke, es ist noch viel zu früh zum Schreiben.

***

22:06
Rachmaninov liegt in den letzten Zügen, der Siegeszug, die grellen, brennenden Schlussakkorde. Die Hände werden zittriger, ein gutes Zittern ist das, das Zittern vor dem ersten Mal. Also schreite ich vor meinen Altar. Also sprach – sollte ich Wagner hören?
Später. MENDELSSOHN: Prelude & Fugue in E Minor Op. 35, ich arbeite Pippins Wigglesworths Liste ab, ich hatte mir vorher ein paar Tips erbeten, tief und schwer und melancholisch sollte es bitte sein, Musik für große Momente. Wir standen also vor dem Altar, vor dem Altar stand ich – Noch einen Schluck Rotwein, nur einen kleinen, damit das Zittern weggeht… um den Pesoschein zu rollen.
Ein Mädchengesicht auf dem 200 Pesos-Schein, kluge adrette Nonne der erste Eindruck, bisschen sittenstreng das Mädel, wahrscheinlich keusch. Es ist das Konterfei der Sor Juana Inés de la Cruz. “Juana hatte weder Familie noch Geld, noch wollte sie heiraten. Nach einem visionären Traum trat sie ins Kloster ein und wechselte nach einem Versuch bei den Unbeschuhten Karmelitinnen zu den Hieronymitinnen”.
Weg vom Bildschirm, wieder switch auf die Ohren, auf das Innere: Fuge – Geisteskälte – Amphetamine und Kokain generieren eine derartige Breite an Auffassungsvermögen, dass diese große Musik ganz klein daherkommt, nur ein Bruchteil dessen, was da gerade alles reingehen würde in meinen Kopf… – Ich könnte völlig konzentriert diese Musik hören und dabei noch schreiben und lesen und stricken und ein Sudoku lösen und eine Unterhaltung dabei führen und diesen Text hier schreiben, aber es ist wieder dieses übercoole “Jaaa-jaaa-Nicken”, das “Es-geht-noch-viel-viel-mehr-rein”.
REDEN SIE BITTE SCHNELLER, ES REICHT NICHT!

***

23:06
Es lief Mahlers Symphonie Nr. 7. das war der falsche Tip, Pippin, aber ich war auch zu oberflächlich jetzt drauf, durchs Netz geklickt, ich hätte mir wahrscheinlich sogar mit Goetz den Arsch abgewischt, ich hätte es einfach nicht gemerkt. Dabei wollte ich doch einfach nur ultimativ viel spüren an diesem Abend, alles stand bereit. Weiter in der Liste, Dvoraks 8. Symphonie, mal schauen, ob die Wunder vollbringen kann.
Ich schaue mir das Video an, gehe sofort runter in die Kommentare, lese am liebsten in den Sprachen, die ich nicht beherrsche, das Gehirn will gefordert sein jetzt, kann sich nicht einlassen auf das kleine und feine und feinstoffliche, will eigentlich eine disneymäßige Volldröhnung, hardcore auf die Mütze, ich bin viel zu schnell drauf, ihr seid alle viel zu langsam. Ja, da sitzen die alten Säcke also vor ihren Instrumenten und vollbringen wahrscheinlich Magie, so hört man jedenfalls, aber woraus da genau die Magie bestehen soll, das checke ich nicht, das geht vollkommen an mir vorbei, ein An- und Abschwellen unterhalb der Wahrnehmungsgrenze, – das Herz bleibt kalt, schwarz-weiß, rauscht elektrisch. Schnell aufstehen und die Kerzen abchecken, nicht dass doch noch irgendwo was abfackelt, aber nur weil das jetzt echt nicht reicht als Letzte Worte.

***

3:04
Denken aufgegeben, nur noch gewichst. Hirn wie Eier sind nun leer. Noch ne Runde dumm rumsurfen, nochmal eine rauchen, sich bewusst werden, dass die Nach-Wirkung angefangen hat. Nichts mehr. Nur noch immer madigerer Gehirnrest. Langsam die Spulwürmer aus den Hirnwindungen fieseln. Wasser, Saufen, Schlaf! Mal die Leber ein Machtwort sprechen lassen. Und schön, morgen dann wieder ganz fit, ganz gesund, total seriös und aufrecht wieder durch die Welt laufen, Sport machen, die Leute anquatschen, zusammen scheißen, mich durchsetzen, und dann wieder oh-so-cute schauen, wenn die richtige Lady mit Gucci-Brille im SUV nebenan sitzt, an der Ampel. Kurz strategisch die Sonnebrille verschieben, den Blick von ihr abholen, sehen, wie sie sich mit der Hand laaang durch die Haare fährt und mit den Lippen ihren Gloss auf ihrem Blasmund verteilt… ja! Und dann noch mal ihr zu lächeln, im letzten Augenblick, bevor ich durchstarte und das war dann alles, was wir beide so kurz an dieser Ampel haben konnten. Oder im Wal-Mart. Oder in der Fußgängerzone. Oder im Gym.
Aber nachts, Leute, wenn ich hacke bin, wenn ich wirklich bin, dann bin ich hier, bei euch, auf Attacke Azteka.

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El Jimador

19.04.2012 | Autor: airen | in: Allgemein, Attacke Azteka

Amatitán, Jalisco. Armando, der Jimador, steht unter dem wolkenlosen Himmel der Sierra Madre Occidental, der weiten Hochebene im Westen Mexikos. Er stützt sich auf die Coa, ein Werkzeug halb Spaten, halb Machete, und blickt über das endlose Agavenfeld. Dann legt er los und hackt mit exakten Schlägen die Blätter von der Agave. Der Jimador – der Ernter. Die Coa – sein Werkzeug. Die Agave – Grundlage für einen der besten Tequilas Jaliscos.
Und damit der Welt, denn nur Agavenschnaps, der aus dem sonnigen Agrarstaat Jalisco stammt, darf sich Tequila nennen. Viele sagen, dass es keinen besseren Boden für Tequila gibt als den von Amatitán; hier sitzen die großen Destillerien José Cuervo und Casa Herradura. Das Feld, dass der Jimador bearbeitet, gehört Herradura, es sind zehntausende Agaven, die sich in sorgfältigen Reihen dem Horizont entgegenstrecken, dort wo sich die grünen Berge aus dem Boden heben, dort wo die Sierra beginnt.

Der Jimador schlägt mit der Coa auf die Agave ein, bis nur noch ein rundlicher Stumpf übrig bleibt – Piña nennt man diesen Kern, weil er aussieht wie eine riesige Ananas. Es ist ein mordsschwerer Körper; auch ohne die Blätter wiegt so eine Piña 50 Kilo, 30 Jahre lang ist sie hier gewachsen. Hat in all den Jahren die heiße Sonne Jaliscos geatmet und von dem roten Boden der Hochebene getrunken. Nun wird es Zeit, sie in etwas Trinkbares zu verwandeln. In Mexikos meistgetrunkenen Tequila, der den gleichen Titel trägt wie Armando: El Jimador.
Die Ex-Hacienda Herradura. Ein riesiges Gelände mit weiten Limettenhainen, dazwischen alte Gemäuer, restaurierte Schuppen aus der Zeit um die Jahrhundertwende, als hier nicht nur Tequila destilliert, sondern auch Tiere gehalten wurden und die Arbeiter sonntags in die Kapelle strömten, in das ehemalige Herzstück der Ranch. Es ist ein romantisches Anwesen, wie aus einem Rosamunde-Pilcher Roman, nur das Wetter ist besser, ganzjährig. Da steht ein Esel auf der Wiese mit zwei Fässern auf dem Rücken, und man muss nur an dem Holzhahn drehen und goldener Tequila fließt einem ins Glas. Das Land von Milch und Honig, denk ich, und dreh noch ein zweites Mal am Hahn.

So romantisch und sauber, wie die Destillerie wirkt, so mystisch ist doch die Herstellung des Tequilas, ein geheimnisvolles Schauspiel, das beinahe komplett der Natur überlassen wird: Fledermäuse fliegen nachts von Agave zu Agave um die Blüten zu befruchten, und in die weiten Becken mit Agavenpampe schüttet man nicht etwa Kunsthefe, sondern vertraut auf die Naturpilze, die auf den Limetten-, Mango- und Granatapfelbäumen des Anwesens gedeihen. Und ja, da sind die kleinen schwarzen Punkte auf den Blättern der Mangobäume, die nun etwas können, für das sie jeder ernsthafte Trinker beneiden wird: Saft in Alkohol verwandeln.

Irgendwie erklärt mir der Führer dann die Funktion der Öfen, echte steinbefeuerte Steinöfen seien dies, und anscheinend wird das ganze Agavenzeugs dort zermatscht. Dann eine Führung durch die alte Destillerie, die einzige, die seit 1820 die Originaldestillen in Stand hält, dann einen Schluck von dem reinen 80%-Destillat, weiterer Kulturquark und Führung durch die blitzblanken Kessel und Pipelines der Anlage. Bis wir zum eigentlichen Ansinnen dieses Besuchs kommen: Der Verköstigung.

Im Schatten eines weiten, knorrigen Baumes steht ein runder Tisch, sauberes weißes Tischtuch, sechs Stühle, an jedem Platz sechs leere Gläser. Die Firma hat einen Verköstiger geschickt. José nimmt Platz, ein kräftiger Mann mit Dreitagebart und grobporiger Haut, einen Stetson auf dem Kopf, ein Lederband ums Handgelenk, etwas griesgrämige Miene. Ein cabrón, würde man hier in Mexiko sagen, jemand der nichts auf sich kommen lässt, ein Mann mit Eiern. Josés Familie arbeitet seit Generationen für El Jimador, er selbst hat früher hier auf den Feldern geschuftet.
Er beginnt zu erklären, von süßem und herbem Tequila;dass hier im Hochland von Amatitán die Agaven einen würzigen, fast beißenden Geschmack abgeben. Einen Geschmack so intensiv, dass man diesen Tequila pur trinken kann, ja muss, in kleinen Schlucken natürlich; es ist ein weites Aroma, in dem man suchen kann und viele Nuancen entdeckt. Wir heben das erste Glas, einen weißen El Jimador, frisch aus der Destille. José erzählt von der hartem Arbeit auf dem Feld, dass man dafür um 5 aufstehen muss, dass ab 10 Uhr die Sonne zu heiß wird für jede körperliche Arbeit.

Wir nehmen das nächste Glas. Tequila war früher immer klar, erklärt José, bis man hier in der Casa Herradura Ende der 50er auf die Idee kam, Tequila wie Whiskey in Eichenfässern zu lagern. Nach einem Jahr war der erste Tequila Reposado fertig, der Abgelagerte, dutzende Destillerien taten es ihnen gleich, erst seitdem ist Tequila so wie wir ihn heute kennen: Gelb, holzig, mit einer runden Geschmacksnote. Ein Getränk, das für sich selbst stehen kann, das man pur trinken kann, nicht nur irgendein Destillat zum Breitmachen.
Wir probieren weiter, El Jimador añejo – mehr als ein Jahr gelagert – und der Geschmack wird natürlich von Runde zu Runde besser. El Jimador Añejo ist herb und holzig, er erinnert kurz an torfige Whiskeys, aber er lässt sich auch rasch wegtrinken, noch ein Glas, noch ein Schluck, gutes Qualitätszeug ist das, zum Mischen eigentlich zu schade. Als wir am Ende die sechs Gläser weg haben, schaue ich über den weiten Garten, weiter hinten eine Schulklasse, die haben auch schon ordentlich einen mitbekommen, und denke, dass das Leben als Schreiber in Mexiko wirklich nur Vorteile hat. Einfach mal so unverbindlich auf eine Tequilaverköstigung nach Jalisco eingeladen zu werden… Und ich muss mich auch gar nicht zurückhalten wie die ganzen anderen Presseleute und Marketingheinis, ich kann ganz unbeschwert alle Gläser bis zum letzten Tropfen austrinken und ruhig den Kellner nochmal auf nen Añejo losschicken.

Konkurrenz machen kann El Jimador hierzulande nur der 100 Años, ein etwa gleich teurer Tequila mit etwas runderem Aroma, gut zum Mischen. Und Don Julio, das allerdings ein Edeltequila um die 700 Pesos die Flasche. Konkurrenz machen jedenfalls kann nicht die Sierra-Plörre, die in Deutschland verkauft wird, mit Industriealkohol angereichert und hier in Mexiko eines der rottigsten Pennergetränke überhaupt. Nein wirklich, seit ich die Casa Herradura gesehen habe, das Anwesen, die Liebe zum Produkt, die sich in dem ganzen Herstellungsprozess niederschlägt; seitdem ich die Jimadores auf dem Feld gesehen habe und Leute wie José, die ihr Leben ganz dem Tequila widmen, kaufe ich hier meistens die Flaschen mit der Strichzeichnung des Jimadors auf dem Label, 100% Agave, aus Amatitán, Jalisco.

 

 

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Tonio

14.04.2012 | Autor: airen | in: Allgemein, Attacke Azteka

Als ich vor einem knappen Jahr den ersten Besuch im Fitnessstudio 3000 machte, begrüßte mich Tonio und stellte sich als mein Trainer vor. Tonio war ein kleiner, stämmiger moreno, ein Mexikaner mit dunklem Teint, ende Zwanzig vielleicht, der mich fad von Maschine zu Maschine führte. Tonio machte damals einen arroganten Eindruck; er war eine Institution in dem Laden, kannte alle und tratschte lieber mit den aufgetakelten Latinas am Laufband und den Gorrillas bei den Langhanteln. Natürlich langweilte es ihn, einem Newbie wie mir die Bizepsmaschine auf zehn Kilo zu stellen. Ich habe mir dann auch gar nicht von ihm einen Trainingsplan machen lassen und trainierte mich selber frei durch die Gerätelandschaft. Nachmittags immer hatte Tonio seine Schicht und lief stolz durch die Gänge, immer super gepflegt, super trainiert, stolzer Gang, legte den Chicas den Arm um die Schulter, kaute auf seinem Kaugummi,  und verlor sich im Smalltalk mit den Stammgästen. Wenn ich vormittags dort war, trainierte Tonio selber, rief den Gorrillas durch den Raum zu, dass er jetzt werweisswieviel Kilos heben würde, dass sie jetzt auch antanzen sollten, noch eine Scheibe drauflegen. Nein, sympathisch war mir Tonio nie. Wenn er an mir vorbei lief, kaugummikauend, grüßte ich ihn. Dann nickte er knapp, ein kurzes Zeichen der Zustimmung, aber so richtig nahm er mich wohl nie wahr.

Vor vier Wochen war plötzlich ein neuer Trainer da. Immer nachmittags lief auf einmal ein hellhäutiger Sunnyboy zwischen den Geräten Patrouille, grüßte jeden, sehr nett, sehr offen, ich dachte: Endlich ist der arrogante Scheißer weg.

Heute kam ich mit der Frau an der Milchshake-Bar ins Gespräch. „Hast du das von Tonio gehört?“, fragte sie mich.

„Naja, der ist seit ein paar Wochen weg, oder?“

Als sie mir dann die Story erzählte, drehte es mir mit jedem Wort den Magen um.

„Tonio war doch mit dem Mädchen von der Rezeption zusammen.“ Das Rezeptionsmädchen war ein superheißes, durchtrainiertes, tittenoperiertes und aufgetakeltes Hotchick.

„Die beiden waren in einem Club hier in Cuernavaca. Plötzlich kamen ein paar Narcos, hochrangige Drogendealer, und ließen den Laden schließen, weil sie unter sich feiern wollten. Nur Tonio und seine Freundin sollten bleiben. Die hatte an dem Abend auch ein superheißes Kleid an, Stillettos, anscheinend stand der Narco auf die. Dann meinte der Typ zu Tonio, er solle ihm doch seine Freundin vorstellen. Tonio, natürlich stolz wie immer, hatte da keinen Bock drauf, nahm seine Freundin an der Hand und ging raus aus dem Laden, setzte sich in sein Auto. Der Narco kam mit der ganzen Entourage hinterher. Da hätte er noch locker Gas geben können um abzuhauen. Die riefen sich irgendwas zu, Tonio würgte den Motor ab und stieg aus. Wahrscheinlich hat er gedacht, dass er sich, durchtrainiert wie er ist, mit den Typen anlegen kann.“

-„Und dann?“

„Dann ging es los, sie haben ihn zusammen geschossen.“

Seit sechs Wochen ist Tonio, der stolze körperbesessene Trainer vom Studio 3000 querschnittsgelähmt.

„Sein Vater hat ihm jetzt das Auto umgebaut, damit er auch nur mit den Armen fahren kann.“

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Die Papst Diaries – 3

10.04.2012 | Autor: airen | in: Allgemein, Attacke Azteka

Papst und Messe schön und gut… so richtig konnte ich das aber gar nicht genießen. Schon frühmorgens bei der Eingangskontrolle hatte ich gemerkt, dass der Reissverschluss meiner Touribauchtasche offenstand. Alle Scheine weg. 1400 Pesos. Blieben noch drei Münzen. 2,50 Pesos, der Gegenwert eines Chililutschers vielleicht. Ich drängelte mich dann am nächsten Morgen auch schon zur Hälfte der Messe wieder raus aus dem Komplex, mit einem Schweinedurst, bat einen der fliegenden Händler um ein Glas Wasser, der schenkte mir gleich ne ganze Flasche, und dann hieß es raus zum Ausgang. Zwei Kilometer wieder diese schnurgerade Straße bis zur Landstraße. Die war heiß und staubig und über ihr hing ein Schild: “León: 37 KM”. Okay, dachte ich. Es ist mittags um elf. Du hast zwölf Stunden, bis dein Bus fährt. Schwing your fuckin Arsch, wat willste machen?
Die Flasche Wasser war schon nach einer halben Stunde alle. Eine Schweinehitze mittlerweile, eine Nacht im Schlafsack hinter mir und einen Tag lang nix gegessen. Einen Mordskoks- und Überhauptkater noch dazu. Die Luft flirrte über dem glühenden Asphalt. Links: Steppe. Rechts: Steppe und Stromleitungen . “Im nächsten Dorf schnorr ich in irgendeinem Laden nach ner Cola.”, nahm ich mir vor. Irgendwann kam dann wieder so ein Dreihäuser-Tankstelle-Spirituosenladen-Kaff. Kurz vor dem Schnapsladen fällt mich noch so ein Straßenhund an. Schreiend und fluchend stürze ich also in den Laden, der junge Besitzer unterbricht sein Gespräch mit zwei Provinzmiezen und schaut mich fragend an: “Naja, komm grad von der Papstmesse, Geld geklaut, ewig nix getrunken, muss noch bis León heute, könnten Sie mir nicht ne Cola schenken, bitte?” Richtig übel abgerissen komm ich mir vor in dem Moment. Der Typ haut die Cola rüber, macht aber ein Gesicht das unmissverständlich sagt: “Verpiss dich jetzt wieder schnell, du Streuner!”
Aber – was für eine Orgasmus, als ich die Colaflasche an meine Lippen führe und den ersten Schluck nehme. “Mit der Pulle schaffst du´s”, da bin ich jetzt sicher. Ich teil mir die Schlucke ein, bis zu der Brücke da am Horizont, dann erst den nächsten. Stunden bin ich nun schon unterwegs, sicher habe ich schon mehr als die Hälfte. Hinter dem nächsten Hügel muss irgendwo die Silhouette von León auftauchen.
Bis meine ganze Zuversicht vom nächsten Straßenschild erschlagen wird. Leon: 25 KM. Was?!!! Erst 12 mickrige Kilometer sollen das jetzt gewesen sein? Ich knicke ein. Keine Chance, das noch zu schaffen. Nicht ohne Essen, nicht bei der heißen Sonne des Hochlandes. Ich geh noch ein gutes Stück bis zu einer Auffahrt und halt dort den Daumen raus. So viel Leute haben doch jetzt die Frohe Botschaft vernommen, irgendwer muss sich doch meiner erbarmen, wie ein Räuber schau ich auch nicht gerade aus. Eine halbe Stunde stehe ich dort, kurz vorm Umfallen, Fieberträume, nur den einen Befehl im Hirn: Halt den Arm raus, lass den Daumen oben! Als ich  aufgebe, wieder losgehe, ist die Cola-Flasche leer.
Eine Stunde später. Ein Dutzend Busse parken in der Wüste. Und ein Feuerwehrwagen. Ich gehe hin und sage mein Sprüchlein auf. Die Uniformierten geben mir zwei Flaschen Wasser und eine Schachtel Kekse. Dann wieder auf die Landstraße. Wieder was im Magen, aber meine Beine werden von Krämpfen zerrissen, die Schultern spüren jedes Kilo des Rucksacks zehnfach. Immer noch kein Ende in Sicht. Dann taucht am Straßenrand ein Wagen der “Seguridad Pública” auf, ein Informationsmobil, sechs weißgekleidete Leute, die den Vorbeifahrenden den Weg nach León erklären. Ich schleppe mich dahin, ich falle wirklich von Fuß zu Fuß und frage wie weit es noch bis zur Busstation von León sei.
“Gute zehn Kilometer.”
- “Und wie lange dauert das zu Fuß?”
“Zu Fuß?! Du bist ja verrückt, das schaffst du nie!”
- “Na, ich bin gerade von Silao bis hierher gelaufen, das schaff ich auch noch.”
“Warum denn zu Fuß? Das sind 30 Kilometer!” Der Typ ist ehrlich entsetzt,
- “Mir wurde auf der Messe mein Geld geklaut.”

Dann geht alles ganz schnell: “Setz dich hin, willst du was trinken?”, beruhigen sie mich, “Was essen? Eine Zigarette? Mach dir keinen Kopf, wir räumen hier gleich zusammen und fahren dich da hin!”
Ich kann mein Glück gar nicht fassen. Noch nie in meinem Leben bin ich so hilfsbedürftig gewesen. Die regeln das jetzt, denk ich, und lass mich auf den Stuhl fallen und der plötzliche Adrenalinabfallm lässt mich beinahe zusammenbrechen wie den Läufer von Marathon. Ich sauf eine Cola aus und dann einen Apfelsaft. Rauch die Kippe auf Ex und spüre plötzlich alle Muskeln in meinem kaputtgewanderten Körper. Dann packen die zusammen. Stellen sich alle vor ein paar Pick-Ups auf. Fangen an, Geld zusammen zu werfen. Bitte nicht.
“Hier Airen, das sind 200 Pesos, damit du was für den Weg hast.”
- “Nein Leute, ich hab hier mein Busticket, ich komm jetzt schon zurecht, ich kann das nicht annehmen.”
“Bitte, es kommt von Herzen. Damit du einen guten Eindruck von den Menschen von Guanajuato mit nach hause nimmst.”
- “Erspart mir diese Scham, bitte!”
“Jetzt nimm das Geld, wir lassen dich so nicht gehen.”
Na was bleibt mir anderes übrig. Ich nehm die Kohle, steig auf den Beifahrersitz eines Pick-Ups und lass mich bis vor die Busstation kutschen. Als ich aussteige, ist es nachmittags halb fünf. Die Sonne steht noch immer hoch und mein Hirn ist am Rande des Zusammenbruchs. Sieben Stunden, bis der Bus abfährt. Ich habe ein schlechtes Gewissen, als ich mir von der Kohle am Oxxo drei Flachmänner, ne Schachtel Kippen und zwei Sandwiches rauslasse, aber was soll ich mit der gottverdammten Kohle und sieben Stunden Zeit auch anstellen? Lauf da rum, les jeden Zeitungsartikel drei Mal, geh nochmal los, komm nochmal zurück und falle schließlich halb zwölf in den Bus. Penn durch bis früh um sechs, stell mir ein Taxi auf und komme nach hause. Erstmal Lily alles erklären. Sie nimmt das echt locker, mich trifft ja auch kaum eine Schuld, und sie meint so: “Was du gemacht hast, war wie eine Wallfahrt. Bitte den Papst um etwas!”
Papst, Alter, tu mir so eine Scheiße nie wieder an! Und mach dass die Blasen an meinen Füßen und die Krämpfe in meinen Beinen weggehen. Und wenn du´s wirklich draufhast, dann mach, dass die heute meinen Text in der FAS bringen!

Artikel war dann wirklich drin.

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